Der Exorzismus von Emily Rose (USA 2005)
Der Exorzismus von Emily Rose (Originaltitel: The Exorcism Of Emily Rose) ist ein US-amerikanischer Horrorfilm von Scott Derrickson aus dem Jahr 2005. In den Hauptrollen spielen Laura Linney, Tom Wilkinson und Campbell Scott.
Der Film basiert auf dem authentischen Vorfall um Anneliese Michel, die sich 1976 in Bayern zutrug und als "Aschaffenburger Exorzisten-Prozess" Schlagzeilen machte: 1976 starb die Würzburger Studentin Anneliese Michel nach einer Teufelsaustreibung. Die 23-Jährige litt seit Jahren an schweren epileptischen Zuständen. Nach Augenzeugen-Berichten sprach sie während ihrer Anfälle mit stark veränderter Stimme und zeigte danach Stigmata-ähnliche Wundmale am Körper. Als sich der Zustand des sehr gläubigen katholischen Mädchens verschlechterte, wurde statt eines Arztes ein Exorzist herbeigerufen. Sie starb schließlich an den Folgen von Unterernährung und Entkräftung. Der Priester wurde ebenso wie die Eltern wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Darstellung des Films lehnt sich dabei an das Sachbuch "The Exorcism of Anneliese Michel" der Anthropologin Dr. Felicitas Goodman an.
Der überwiegend im kanadischen Vancouver gedrehte Film erreichte bei den IMDb-Ratings eine überdurchschnittlich gute Bewertung von 6,8 von 10 bei 18.038 abgegebenen Stimmen (Stand: September 2007).
Contents
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Handlung
In einem außergewöhnlichen Entschluss erkennt die katholische Kirche die satanische Besessenheit der 19-jährigen Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter) offiziell an. Pfarrer Moore (Tom Wilkinson) führt die umstrittene Teufelsaustreibung durch. Ein Unterfangen mit tödlichem Ausgang.
Der Geistliche wird wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Seine Anwältin Erin Bruner (Laura Linney), mit ihrem eigenen Leben nicht zufrieden und von Einsamkeit geplagt, übernimmt die Verteidigung des Priesters. Ein Prozess beginnt, der zur Hetzjagd auf alle Beteiligten wird...
Kurzkritik
Regisseur Scott Derrickson erzählt die Geschichte eines Exorzismus nicht als lineare Handlung, sondern als Rekonstruktion aus der Perspektive eines Gerichtsprozesses. Das bricht die Sogwirkung, die eine direktere Erzählperspektive entwickeln könnte, produziert jedoch eine eigene, gelungen inszenierten Gerichtsdramen eigene Dynamik. Trotz des Abstandes von den Vorkommnissen - von Anfang an ist klargestellt, dass der Exozismus gescheitert und das Opfer gestorben ist - erweist sich Der Exorzismus von Emily Rose als durchweg fesselnd.
Vollkommen kommentarlos werden Ereignisse aus der bayerischen Provinz nach Amerika verlagert; aus Anneliese Michel wird Emily Rose, die Spezifika des deutschen Rechtssystems fallen unter den Tisch und die Ereignisse bekommen eine angloamerikanische Prägung, die eben für den Fall Anneliese Michel nicht charakteristisch waren. Das Eigene dieses deutschen "Hexenprozesses" geht vorloren, während sich die Filmadpationen Klassikern wie Der Exozist annähert - das ist schade, weil so lediglich ein leicht variiertes Remake der Vorgängerfilme entsteht. Das Material hätte auch einen ganz anderen Film ergeben können.
Keiner der Darsteller liefert herausragende schauspielerische Leistungen, das gesamte Ensemble arbeitet jedoch homogen und überzeugend zusammen. Mehr psychologischen Tiefgang kann man von einer Mainstream-Produktion wohl auch kaum erwarten.
Irritierend erscheint jedoch die offensichtliche Parteinahme der Erzählperspektive für die "Möglichkeiten" des Übernatürlichen, genau genommen: für die religiöse Perspektive der Kirche. Der Exorzismus von Emily Rose ist zwar kein Kirchenfilm und deutet auch Diskrepanzen zur Position der katholischen Kirche an, versucht aber auch definitiv keine Entzauberung des Mythos einer angeblichen "Besessenheit" durch Dämonen.
Während Filme aus einer aufgeklärteren Zeit wie The Entity - Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns verfolgt (USA 1981) zumindest noch eine wissenschaftliche Herangehensweise zu schildern versuchen (und dann scheitern), lässt sich Der Exorzismus von Emily Rose weitgehend kommentarlos auf die obskure Spiritualität ein - ganz entsprechend dem esoterischen Zeitgeist. Schlimmer noch: Durch allerlei suggestive Mittel wird dem Zuschauer die angebliche Faktizität einer "Geisterwelt" nahegebracht. So nahe, dass möglicherweise selbst eingefleischte Agnostiker über den nächsten Kirchengang nachzudenken beginnen.
Suspekt wirkt dabei auch die Rolle der Kirche, die ausschließlich durch den "guten" Geistlichen Father Moore (Tom Wilkinson) repräsentiert wird. Andeutungen lassen vermuten, dass die offiziellen Kirchenstellen eine andere Interessenlage haben als ihr filmischer Repräsentant. Wird dies thematisiert? Nein, der Film schweigt sich hierzu weitestgehend aus. Auch das ist ein argumentatives Defizit dieser Filmadaptation.
Sollte Film mit solchen suggestiven Mitteln operieren? Das ist schwer zu beantworten, zumal das Bewegtbild als visuelles Sehereignis ohnehin stärker irrational und emotional wirkt als die Rezeption von Gesprochenem oder gar schriftgebundenem Text. Mangels einer klar reflektierenden Ebene ruft diese suggestive Methodik zumindest bei uns Mißtrauen hervor - Mißtrauen gegen scheinbare visuelle Evidenzbeweise, die im Unterbewusstsein des Zuschauers als Fakten ankommen.
Ist Der Exorzismus von Emily Rose also doch ein religiöser Propagandafilm? Genug entsprechende Merkmale weist Derricksons Film auf, als dass man ihn einfach als Fiktion zwecks kurzweiliger Unterhaltung abtun könnte. Daher sollte man als Zuschauer auf der Hut sein vor subliminalen Botschaften - die Entscheidung, ob man die Existenz von paranormalen Erscheinungen als Möglichkeit akzeptieren möchte, sollte man rational fällen und sich nicht durch Filmtricks eingeflüstern lassen.
Gesehene Fassung
- Laufzeit: ca. 117 Minuten
- FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
- Premiere: 1. September 2005
- Kinostart (BRD): 24. November 2005
- DVD-Start (BRD): 23. Mai 2006 [Sony Pictures Home Entertainment]
- Bildformat: PAL, 16:9, Color
- Tonformat und Sprachen: Deutsch, Englisch
- Regionalcode: 2
- Kopierschutz. k.A.
DVD Features
- Kommentar des Regisseurs
- Entfallene Szenen:
- 'Barbekanntschaft' mit Kommentar Regisseur
- Filmdokumentationen:
- Von der wahren Geschichte zum Skript zum Film,
- Casting,
- Visuelles Design (Produktionsdesign/Spezialeffekte)
- Trailer
Literatur
Hintergrundinformationen:
- Uwe Wolff: Das bricht dem Bischof das Kreuz. Die letzte Teufelsaustreibung in Deutschland 1975/76. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-60619-4
- Uwe Wolff: Der Teufel ist in mir. Heyne, München 2006, ISBN 3-453-60038-X (Neuausgabe von Das bricht dem Bischof das Kreuz)
- Felicitas D. Goodman: Anneliese Michel und ihre Dämonen. Der Fall Klingenberg in wissenschaftlicher Sicht (2. Auflage). Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1987, ISBN 3-7171-0781-X
- Georg Siegmund (Hrsg.): Von Wemding nach Klingenberg. Vier weltberühmte Fälle von Exorzismen. Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1985, ISBN 3-7171-0869-7
- Elisabeth Becker (Hrsg.): Der Exorzismus der Kirche unter Beschuss. Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1995, ISBN 3-7171-0991-X
- Lisl Gutwenger (Hrsg.): „Treibt Dämonen aus!“ Von Blumhardt bis Rodewyk. Vom Wirken katholischer und evangelischer Exorzisten. Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1992, ISBN 3-7171-0956-1
Siehe auch
- Audrey Rose (1977)
- The Exorcist (1973)
- The Omen (1976)
- Stigmata (1999)
- Requiem (2006) - von Hans-Christian Schmid
Netmarks
- IMDb
- Offizielle Website (Sony Pictures)
Bezugsmöglichkeit
Relevant Content
- Tödlicher Anruf (Japan/USA/BRD 2008)
- Saw II (USA 2005)
- Dark Water - Dunkle Wasser (USA 2005)
- The Amityville Horror - Eine wahre Geschichte (USA 2005)
- Insects - Die Brut aus dem All (USA/Kanada 2003)
- Walled In (USA/Frankreich/Kanada 2009)
- Quarantäne (USA 2008)
- Rogue - Im falschen Revier (Australien/USA 2007)
- Starfire (Japan/USA 1990)
- Ruinen (Australien/USA 2008)
- I am Omega (USA 2007)
- Freedomland - Das Gesicht der Wahrheit (USA 2006)
- Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor (Russland 2004)
- Fall 39 (USA/Kanada 2009)
- Die vierte Art (USA/Großbritannien 2009)



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